
Kapitel 6 /12
Den Wald hier bei uns überall, den mag ich sehr. Papa geht am Sonntag nach dem Essen immer in den Wäldern spazieren. Und meistens darf ich ihn dabei begleiten. Ich komme gern mit, obwohl Papa für mich viel zu große Schritte macht. Außerdem weiß ich genau, dass er Leute verachtet, die sich nicht bewegen oder einfach nur faul sind. Also ziehe ich schnell meine Turnschuhe an und renne ihm nach. Der Papa redet nicht so gern beim Gehen oder er findet nichts, worüber er mit mir reden will. Ich traue mich dann auch nicht mehr was zu sagen oder ihn was zu fragen. Oft bin ich schon nach der Hälfte müde und gehe immer langsamer. Ich merke, wie er sich darüber ein bisschen ärgert und reiße mich so gut ich kann zusammen.
Einmal wusste Papa auf einmal den Heimweg nicht mehr. Es wurde fast schon dunkel und ich fing an zu weinen. Trotzdem ging er immer schneller voran und hat vor sich hin geschimpft. Weil er sich schließlich nie verirrt und weil er mich mitgeschleppt hat. Irgendwann kamen wir auf eine Lichtung, wo ein Förster auf seinem Hochsitz auf Wildschweine gewartet hat. Der war sehr nett und ist extra zu uns runtergeklettert und hat uns mit seinem großen Jeep wieder nach Haus gebracht.
Wenn der Papa und ich allerdings Pilze sammeln gehen, ist alles ein bisschen anders. Er zeigt mir die Pilze und erklärt mir, wie sie heißen, worauf ich achten muss, vor allem wegen den giftigen, die es bei uns leider gibt. Manchmal hält er seine Zungenspitze direkt an den Stil von einem ganz bestimmten Pilz. Er testet, ob der bitter schmeckt, hat er mir erklärt. Denn wenn nicht, ist es wohl ein sehr vorzüglicher Speisepilz, sagt Papa. (Ich wollte das dann lieber nicht testen.) Oder er steckt seine Nase in einen aufgeschnittenen Pilz, um herauszufinden, ob der nach Moos, Safran oder Schwefel riecht. Schon sein Großvater und sein eigener Vater waren solche Waldgänger und Pilzsammler, hat er mir erzählt. Also passe ich gut auf, denn ich möchte auch einmal ein Waldgänger werden.