
In der Nähe einer Berliner Kleingartenkolonie, vor deren Tor ich gern stehen bleibe, um die Verbots- und Mahnschilder zu studieren, die mich daran erinnern mögen, dass ich nie mehr auch nur einen Gedanken an eine Datsche in so einer Kolonie verschwenden darf, um dort gar eine grüne Enklave fürs Schreiben zu suchen, kam ich bereits schlechtgelaunt an einem der sauber geputzten Gärten vorbei. Inzwischen schaue ich selten noch über die Zäune. Erstens kann ich wegen der dichten Hecken, Mauern und anderen Barrieren sowieso kaum was sehen. Zum anderen ist mir die Wiederholung der versteppten Wiesen, der hilflos brachial hingepflanzten Stein- und Skulptur-Dekorationen, überhaupt dieser fantasie- und lieblosen Gestaltung schmallippiger Beete oder zwangsisolierter Staudenwesen, schlicht zuwider. Ja, ich könnte kotzen. Doch bei diesem Fleckchen Erde hielt ich kurz an, weil mich beim Anblick des Ensembles auf dem Grundstück ein seltsames Gefühl beschlichen hatte. Ich überlegte, was jener Steinadler aus Zement auf einem abgeholzten Baumstumpf in Mannshöhe wohl bedeuten könnte. Ob er als Symbol für die nationale Haltung des Besitzers stand. Oder ob der vielleicht harmlos in seinem Pool dümpelnd gern zu einem Raubvogel aufblickte.
Als ich mich anschickte mein Foto zu machen, fürchtete ich mich zum ersten Mal davor, dafür belangt zu werden. Und wirklich: Ich hatte mein Handy gerade verstaut, als ein alter Mann mit leuchtendroter Trainingsjacke aus seinem Bungalow geschossen kam und mich anbrüllte, was ich denn suche und hier wolle, das sei Privatbesitz. Trotz unverhohlener Feindseligkeit blieb ich ruhig und höflich. Ich log, mir habe dieses schöne Bild mit Pool und Adler so gut gefallen, ein seltenes Idyll in dieser Gegend. Der Mann schien mir dennoch nicht zu trauen und kam jetzt zügig näher. Keine Sorge, rief ich ihm kläglich zu, ich mache nichts mit meinen Fotos. Er blieb kurz stehen, schien nachzudenken oder aber mich durch seinen inneren Lügendetektor zu jagen. In dieser kurzen Atempause beschloss ich mich schnell umzudrehen und harmlos winkend, möglichst locker zu entfernen. Erst hundert Meter weiter wagte ich mich wieder umzusehen. Der Herr mit leuchtendroter Trainingsjacke, er stand inzwischen breitbeinig auf dem Weg und schaute mir, die Arme vor der Brust verschränkt, so lange nach, bis ich ums Eck verschwunden war.
Auf meinem Rückweg, der mich über eine stille Pflasterstraße mit alten Bäumen führte, las ich an etwa jedem siebten Hauseingang den neongelben Sticker: Hier wohnt ein wachsamer Nachbar! Wer war damit gemeint? Ich hatte große Lust, die Zigarettenkippe glühend über einen Zaun zu schnipsen.