
In einer meiner schlaflosen Nächte hatte ich die Schnauze voll vom Fernsehen und dem durchs Zimmer Tigern. Ich ging zunächst in unsren kleinen Garten hinterm Haus. Doch die Sterne waren nicht zu sehen und das Gras war nass, drum spazierte ich über den Hof zurück, zum Tor raus, einfach los. Durch Straßen, die ich nur bei Tage kannte, auch ohne das Leuchten der Laternen und die hellen Fenstern. So ruhig war es bestimmt nur nachts. Kein Schwein kam mit entgegen. Ja, ich beschloss, ab sofort den Tag zu meiden zugunsten dieser menschenleeren Stille. Mit dieser prächtigen Idee im Kopf lief sich’s noch beschwingter. Allerdings verlor ich unterwegs die Orientierung, da alle Marker der vertrauten Wanderroute ganz im Dunkeln lagen. Ich fand, dass alles gleich aussah oder ich sogar die ganze Zeit im Kreis rumlief, was noch schlimmer wäre. Nach zwei Stunden etwa war ich endlich hundemüde, wusste bloß nicht, wo zum Henker ich gelandet war. Mir war dezent zum Heulen. Dagegen half nur möglichst derbe Selbstbeschimpfung. Ich hielt an, denn Weiterirren wäre völlig blödsinnig. So stand ich eine Weile da, ging in die Hocke, rauchte, summte kleine Melodien vor mich hin. Und machte plötzlich die Entdeckung. Direkt vor meiner Nase war ein Wohnwagen geparkt. Ich tat, was ich ganz ehrlich noch nie zuvor getan habe*: Ich knackte das lächerliche Schloss mit einem Stein. Und streckte mich drinnen auf dem Boden aus. Lag wach und grinste, in der Vorfreude darauf, diese irre Story gleich mit meiner Frau zu teilen.
*Hinweis: Es handelt sich um einen fiktionalen Text.